In Frankreich gibt es eine faszinierende Möglichkeit, Immobilien zu erwerben, die sowohl für Käufer als auch für Verkäufer interessante Vorteile bietet. Durch das System des Viager können Käufer ein Einfamilienhaus relativ günstig erwerben, indem sie dem ehemaligen Eigentümer ein lebenslanges Wohnrecht gewähren. Das Konzept, das als „Wette auf das Leben“ betrachtet wird, hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen, da immer mehr Immobilienagenturen sich darauf spezialisieren.
Raymond Fischer, ein 82-jähriger Mann, verkauft sein im Elsass selbstgebautes Haus per Viager, um seine Pflegekosten zu finanzieren. Dies ist nicht nur eine finanzielle Lösung für ihn, sondern ermöglicht es ihm auch, in seinem geliebten Zuhause zu bleiben, wo er viele Erinnerungen an seine verstorbene Frau und seine Kinder hat. Die Käufer, Isabelle Tissot-Kuehl und ihr Mann Adrien, haben das Haus vor zwei Jahren erworben und pflegen eine freundschaftliche Beziehung zu Fischer. Sie sehen den Kauf nicht nur als Investition, sondern auch als Absicherung für ihre eigene Rente.
Das Viager-System im Detail
Das Viager-System funktioniert so, dass Verkäufer (créditrentier) bis zu ihrem Lebensende in der Immobilie wohnen bleiben können, während Käufer (débirentier) die Immobilie erwerben, ohne den gesamten Kaufpreis sofort zu zahlen. Stattdessen leisten die Käufer regelmäßige Zahlungen in Form von Leibrenten, die auf der statistischen Lebenserwartung des Verkäufers basieren. Diese Zahlungen sind oft inflationsindexiert, was bedeutet, dass sie im Laufe der Zeit an die Lebenshaltungskosten angepasst werden.
Ein zusätzliches Element, das häufig in Viager-Verträgen enthalten ist, ist das sogenannte „Bouquet“, eine einmalige Zahlung von 20 bis 40 Prozent des Immobilienwerts, die oft zu Beginn des Vertrags gezahlt wird. Notariell beurkundete Verträge regeln sowohl den Kaufpreis als auch die Höhe der Leibrente und bieten einen klaren rechtlichen Rahmen für beide Parteien.
Vorteile und Herausforderungen
Für viele kinderlose Immobilieneigentümer ist der Verkauf gegen Leibrente eine attraktive Option, um Liquidität zu schaffen, während sie gleichzeitig in ihrem gewohnten Zuhause bleiben können. Käufer profitieren von der Möglichkeit, eine Immobilie zu erwerben, ohne sofort den gesamten Betrag aufbringen zu müssen, was ihnen Ersparnisse bei Finanzierungskosten ermöglicht.
Allerdings gibt es auch Risiken, insbesondere das Langlebigkeitsrisiko. Wenn der Verkäufer länger lebt als erwartet, müssen die Käufer möglicherweise länger Leibrenten zahlen, als sie ursprünglich eingeplant hatten. Zudem können bei familiären Verkäufen steuerliche Nachteile auftreten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass bei Zahlungsverzug des Käufers der Verkäufer keine Rückabwicklung verlangen kann, sondern nur die Vollstreckung der vereinbarten Zahlungen.
Insgesamt zeigt das Viager-System, wie kreative Lösungen im Immobilienmarkt entstehen können, um den Bedürfnissen von Verkäufern und Käufern gerecht zu werden. Dieses einzigartige Modell, das im französischen Zivilgesetzbuch verankert ist, könnte auch in anderen Ländern als Inspirationsquelle dienen.
Wenn Sie mehr über die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Funktionsweise des Viager-Modells erfahren möchten, besuchen Sie die detaillierte Erklärung auf der Website von Carta de Legal.