Die Landschaft der Zuwanderung nach Deutschland hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Unter der schwarz-roten Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz erleben wir einen drastischen Rückgang der Zuwanderung. Das findet zwar große Zustimmung in breiten Teilen der Bevölkerung, doch die langfristigen Konsequenzen werden oft einfach übersehen. Dabei sind die Herausforderungen, die uns der demografische Wandel und der Fachkräftemangel stellen, enorm.

Das große Dilemma: Viele mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe haben Schwierigkeiten, ihre Stellen zu besetzen. Wenn wir einen Blick auf unsere Gesellschaft werfen, wird schnell klar, dass die gesetzliche Rentenversicherung unter Druck steht. Neu geborene Kinder, die erst in 20 Jahren in die Rentenversicherung einzahlen, sind zwar ein Grund zur Hoffnung, aber bis dahin müssen wir die Lücken schließen, die sich durch den Fachkräftemangel auftun. Zudem ist die höhere Erwerbstätigkeit von Frauen ein wichtiges Thema, das dringend bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten erfordert – und die Bereitstellung dieser Angebote liegt in den Händen der Kommunen.

Integration und Fachkräftemangel

Ein weiteres großes Thema ist die Integration von Arbeitslosen und Zugewanderten. Hier könnte gezielte Weiterbildung und die Anerkennung von Qualifikationen viel bewegen. Leider gibt es gravierende Probleme bei der Integration, die nicht ignoriert werden dürfen. Über 42 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland sind mittlerweile über 60 Jahre alt, was direkt Auswirkungen auf die Rentenpolitik hat. Einsparungen bei der Rentenversicherung durch die Merz-Regierung könnten langfristig sogar zu niedrigeren Rentenbeiträgen führen. Ein Rückgang von vier Milliarden Euro beim Rentenversicherungs-Zuschuss lässt aufhorchen.

Die Lösung des Personalmangels in Handwerk und Industrie ist dringend notwendig, um längere Lebensarbeitszeiten und höhere Rentenbeiträge zu vermeiden. In der Vergangenheit wurde das Problem der Arbeitsmigration teilweise durch Kontraktarbeiter aus Nachbarländern gelöst, doch die Meinungen zu dieser Strategie gehen auseinander. Wissenschaftliche Stimmen, wie die von Marcel Fratzscher vom DIW, warnen eindringlich vor den negativen Folgen eines Mangels an Pflegekräften. Und wenn wir einen Blick auf die Zahlen werfen: Von 2021 bis 2023 haben rund 1.300 Firmen Deutschland den Rücken gekehrt, was einem Verlust von netto 50.000 Jobs entspricht. Das lässt einen schon nachdenklich werden.

Die Rolle der Migranten

Ökonomen raten zu Investitionen in die Ausbildung von Migranten, um dem Fachkräftemangel in Deutschland entgegenzuwirken. Es ist kein Geheimnis, dass Deutschland ein demografisches Problem hat, und das schon seit über 50 Jahren. Zu wenige Kinder werden geboren, und der Mangel an Fachkräften hat direkte Auswirkungen auf das Rentensystem. Immer weniger Arbeitende müssen für immer mehr Rentner aufkommen – das ist eine Rechnung, die nicht aufgeht. Der Anteil ausländischer Beschäftigter in Deutschland steigt zwar – mittlerweile sind es 6,7 Millionen in sozialversicherungspflichtigen Jobs – doch das reicht nicht aus.

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Wussten Sie, dass Menschen ohne deutschen Pass 13,2 Prozent zur Bruttowertschöpfung beitragen? Im Reinigungsgewerbe hat mehr als jeder dritte Mitarbeiter einen ausländischen Pass, im Bauwesen ist es fast jeder Dritte. Und auch in der Medizin zeigt sich ein ähnliches Bild: Etwa 14 Prozent der praktizierenden Ärzte in Deutschland haben keine deutsche Staatsbürgerschaft. Zwischen 2010 und 2021 haben 15 Prozent der Migranten einen Asylantrag gestellt, der Großteil jedoch kam aus einem anderen Grund: zur Arbeit.

Aktuell gibt es rund 570.000 offene Stellen ohne passend qualifizierte Arbeitslose. Schaut man in die Zukunft, könnten bis 2035 bis zu sieben Millionen Arbeits- und Fachkräfte fehlen, warnt der Noch-Arbeitsminister Hubertus Heil. Migration wird daher als notwendig erachtet, um ökonomisch zu gewinnen. Es ist auffällig, dass Zuwanderung von Menschen mit geringer Qualifikation sich wirtschaftlich rechnen kann, auch wenn sie im Durchschnitt Nettoempfänger von staatlichen Leistungen sind. Studien zeigen zudem, dass Migranten im Durchschnitt mehr in die Sozialsysteme einzahlen, als sie erhalten.

Deutschland hat jedoch Nachholbedarf bei der Anwerbung hochqualifizierter Migranten. Über 35 Prozent der Einwanderer waren im Jahr 2020 gering qualifiziert – das ist eine Zahl, die uns zu denken geben sollte. Im OECD-Ranking zur Attraktivität für ausländische Fachkräfte steht Deutschland nur auf Platz 15 von 38. Um das Arbeitskräftepotenzial stabil zu halten, müssten jährlich zwischen 300.000 und 400.000 Menschen nach Deutschland einwandern. Die Hürden sind jedoch hoch: lange Wartezeiten auf Visa, langsame Bürokratie und leider auch Rassismus und Diskriminierung stellen große Herausforderungen dar. Und wenn wir die Politik betrachten, ist es kein Wunder, dass 73 Prozent der Unternehmen die AfD als Risiko für die Fachkräftesicherung in Deutschland sehen. Fehlende Anreize wie Steuervorteile für neu zugewanderte Fachkräfte im Vergleich zu anderen Ländern tun ihr Übriges.

In dieser komplexen Gemengelage ist es schwierig, klare Antworten zu finden. Die Herausforderungen sind groß, und die Lösungen müssen kreativ und vielfältig sein. Eines ist jedoch sicher: Wir stehen an einem Wendepunkt, der unsere Gesellschaft nachhaltig beeinflussen wird.