Heute ist der 24.10.2026, und wir werfen einen Blick auf die Herausforderungen, die viele Künstler in der Altersvorsorge meistern müssen. Ein eindringliches Beispiel dafür ist Richard Bargel, ein 75-jähriger Bluesmusiker aus Köln. Trotz seiner jahrzehntelangen Karriere und etlicher Auszeichnungen – darunter mehrfach der Preis der Deutschen Schallplattenkritik – erhält er nach eigenen Angaben nur knapp 400 Euro gesetzliche Rente im Monat. Das ist zwar nicht das, was sich viele unter einem goldenen Lebensabend vorstellen, aber Richard tritt weiterhin auf, weil er die Musik liebt und auf die Einnahmen angewiesen ist. Es ist schon ironisch, oder? Ein Künstler, der sein ganzes Leben der Musik gewidmet hat, muss im Alter weiterarbeiten, weil seine Rente nicht ausreicht, um über die Runden zu kommen.

Sein Fall wirft auch ein Licht auf die strukturellen Probleme, mit denen viele Kulturschaffende kämpfen. Sie sprechen oft nicht offen über ihre Gagen, was dazu führt, dass die breite Öffentlichkeit nicht erkennt, wie prekär die finanzielle Lage vieler Künstler ist. Bargel kritisiert zudem, dass die Auftrittsmöglichkeiten für Bluesmusik in den letzten Jahren zurückgegangen sind. Die gesetzliche Rentenhöhe ist vor allem von dem versicherten Einkommen und den erworbenen Entgeltpunkten abhängig. Dabei können niedrige Einkommen und Zeiten ohne Rentenbeiträge zu einem schmalen Rentenanspruch führen – und das merkt man dann im Alter.

Die Künstlersozialversicherung und ihre Grenzen

Ein Lichtblick für selbstständige Künstler ist die Künstlersozialversicherung, die ihnen den Zugang zur Sozialversicherung erleichtert. Versicherte tragen etwa die Hälfte der Beiträge, was zwar hilfreich ist, aber dennoch keine hohe Rente garantiert. Geringe Gewinne führen oft zu niedrigen Beiträgen und damit zu bescheidenen Rentenansprüchen. Selbst bei sozialversicherungspflichtiger Teilzeit zählt das beitragspflichtige Einkommen für die Rentenhöhe. Das bedeutet, dass weniger Arbeitsstunden nicht automatisch weniger Rente bedeuten müssen – entscheidend bleibt das, was letztlich in die Kasse fließt.

Ein Beispiel, das das verdeutlicht, ist Fritz aus Lüdenscheid. Der 28-Jährige arbeitet in Teilzeit und verdient jährlich die Hälfte des Durchschnittsentgelts. Dadurch erwirbt er jährlich nur 0,5 Entgeltpunkte. Nach zehn Jahren wären das fünf Punkte statt der möglichen zehn bei einem Verdienst auf Durchschnittsniveau. Bei einem Rentenwert von 42,52 Euro entspricht das monatlich 212,60 Euro weniger. Es ist also wichtig, sich rechtzeitig beraten zu lassen, bevor man seine Teilzeitstelle festlegt. Denn niemand möchte im Alter vor der Realität stehen und feststellen, dass die Rente nicht für ein würdevolles Leben reicht.

Herausforderungen und Lösungsansätze im Kultursektor

Die Problematik der Altersarmut im Kultursektor ist weitaus komplexer. Laut Dr. habil. Alexandra Manske, einer Soziologin mit Schwerpunkt auf Arbeits- und Wohlfahrtsforschung, bleibt für viele Kulturschaffende eine ausreichende Altersvorsorge unerreichbar. Besonders Soloselbstständige, die zwischen Projektarbeit, Teilzeit und Care-Verpflichtungen jonglieren, sind hiervon betroffen. Frauen sind oft stärker von prekären Beschäftigungsverhältnissen und unterbrochenen Erwerbsbiografien betroffen. Die geschlechtsspezifische Rentenarmutslücke in Deutschland beträgt laut aktueller OECD-Analyse 26 Prozent – ein alarmierendes Signal!

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat eine Publikation veröffentlicht, die sich mit diesen Herausforderungen auseinandersetzt. Sie ruft dazu auf, eine breitere Diskussion über Altersarmut im Kultur- und Kreativsektor zu führen und neue Lösungsmodelle zu entwickeln. Es gibt einen klaren Handlungsbedarf, um die soziale Absicherung von Künstlern zu verbessern und institutionelle Lücken zu schließen. Denn eines ist sicher: Die kulturelle Vielfalt und Kreativität unserer Gesellschaft müssen auch im Alter geschützt werden.