Die Zahl der älteren Menschen, die in Nordrhein-Westfalen auf Grundsicherung angewiesen sind, hat einen besorgniserregenden Anstieg erfahren. Aktuelle Statistiken des Statistischen Landesamtes IT.NRW zeigen, dass immer mehr Rentner in der Region finanziell am Limit leben müssen. Dr. Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW hat dazu einige typische Fehler bei der Altersvorsorge identifiziert. Umso wichtiger ist es, frühzeitig und strukturiert an das Thema heranzugehen.

Die erste Frage, die man sich stellen sollte, ist: Was möchte ich eigentlich mit meiner Altersvorsorge erreichen? Reicht mein Geld für die grundlegenden Lebenshaltungskosten, oder will ich meinen gewohnten Lebensstandard im Alter erhalten? Letzteres erfordert natürlich eine umfangreichere Vorsorge. Ein häufig begangener Fehler ist es, die eigene Rentenlücke nicht früh genug zu ermitteln. Wer zu spät nachfragt, hat weniger Zeit, um die nötigen Mittel zu sparen. Das führt oft dazu, dass die monatlichen Sparraten viel höher ausfallen müssen, um die Lücke zu schließen.

Die häufigsten Fehler bei der Altersvorsorge

Ein weiterer Fehler, den viele Menschen machen, ist, nur die aktuelle finanzielle Situation zu betrachten. Für die Planung sollte man auch die voraussichtlichen Einnahmen und Ausgaben im Ruhestand berücksichtigen. Dazu gehören die Angaben in der Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung (DRV), etwaige Zusatzrenten und wegfallende Ausgaben wie Fahrtkosten zur Arbeit. Viele vergessen auch, die benötigten Beträge für Grundbedürfnisse und Konsum zu prüfen.

Ein dritter Punkt, der nicht vernachlässigt werden sollte, ist der vorzeitige Renteneintritt ohne Berücksichtigung von Abschlägen. Wer früher in Rente geht, muss mit einem dauerhaften Rentenabzug von 0,3 Prozent pro Monat rechnen. Das kann sich über die Jahre summieren und die finanzielle Situation erheblich belasten. Aktuell diskutiert die Alterssicherungskommission der Bundesregierung sogar eine Anhebung der Altersgrenzen für langjährig Versicherte.

Und dann sind da noch die Vorsorgeprodukte, die oft teuer oder wenig flexibel sind. Scherfling rät, von kapitalbildenden Lebensversicherungen Abstand zu nehmen, da sie meist unvorteilhaft sind. Auch private Rentenversicherungen sind aufgrund des derzeitigen Höchstrechnungszinses von 1 Prozent nicht die beste Option, insbesondere bei nahendem Rentenbeginn. Alternativen wie ETFs könnten hier eine Überlegung wert sein.

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Die Realität der Grundsicherung in NRW

Die Realität ist, dass Ende 2025 in NRW bereits 201.940 Menschen Grundsicherung im Alter bezogen. Das ist ein Anstieg von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders betroffen sind dabei Frauen, die 58,1 Prozent der älteren Empfänger ausmachen. Die Grundsicherung umfasst ähnliche Leistungen wie die Sozialhilfe und wird bedürftigen Menschen gewährt, die die Regelaltersgrenze erreicht haben oder dauerhaft erwerbsgemindert sind. Die Grundsicherung deckt den notwendigen Lebensunterhalt und die Kosten für Unterkunft und Heizung ab.

Wer über ein Gesamteinkommen von unter 1.148 Euro verfügt, sollte prüfen, ob ein Anspruch auf Grundsicherung besteht. Dabei ist zu beachten, dass das Einkommen von Angehörigen erst ab einem bestimmten Jahresbetrag berücksichtigt wird. Auch das Vermögen spielt eine Rolle: Bargeld, Wertpapiere und Immobilien zählen dabei, während ein angemessenes selbst bewohntes Haus nicht angerechnet wird.

Ein paar letzte Gedanken zur Altersvorsorge

Wer kurz vor dem Ruhestand steht und über ein gewisses Kapital verfügt, sollte sich überlegen, wie er dieses am besten nutzen möchte. Ob für die Entschuldung, persönliche Wünsche oder zur Aufbesserung der laufenden Rente – die Möglichkeiten sind vielfältig. Eine sofort beginnende private Rentenversicherung bietet zwar lebenslange Zahlungen, rechnet sich aber oft erst bei einem hohen Lebensalter. Flexiblere Optionen wie Bank- oder Fondsauszahlpläne sind ebenfalls zu bedenken.

Die Herausforderung wird immer größer, besonders für diejenigen, die weder viel Zeit noch Vermögen haben. Hier kann ein Blick auf die Ausgaben helfen. Wo lassen sich Einsparungen machen? Bei Energie, Lebensmitteln oder Abonnements? Und wenn die Rente nicht ausreicht, gilt es, einen möglichen Anspruch auf Grundsicherung im Alter zu prüfen. Das Sozialamt entscheidet, ob ein Anspruch besteht.

Die Zahlen sind alarmierend. 2024 waren knapp 740.000 Menschen in Deutschland auf Grundsicherung im Alter angewiesen – die höchste Zahl aller Zeiten. Besonders betroffen sind Seniorinnen, die eine höhere Armutsgefährdung aufweisen als ihre männlichen Altersgenossen. Die Alterung der Gesellschaft und die zu erwartenden Engpässe im Rentensystem könnten das Problem der Altersarmut weiter verschärfen. Ein Umdenken in der Altersvorsorge ist dringend notwendig, um den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein.