Finanzielle Sicherheit im Ruhestand: Wie ein zusätzliches Arbeitsjahr die Rente beeinflusst
Der Ruhestand – für viele ein Traum, der mit freier Zeit, Reisen und der Möglichkeit, die kleinen Dinge im Leben zu genießen, verbunden ist. Doch wie steht es um die finanzielle Sicherheit in dieser neuen Lebensphase? Insbesondere für die heute 60-Jährigen ist die Frage nach dem Renteneintritt und der weiteren Berufstätigkeit ein wichtiges Thema. Denn eines ist klar: Ein zusätzliches Arbeitsjahr kann sich finanziell sowohl positiv als auch negativ auswirken. Es gibt einiges zu beachten, und das nicht nur im Hinblick auf die Rente selbst.
Ein zusätzliches Arbeitsjahr bringt nicht automatisch „zwei Prozent mehr Rente“. Die individuelle Situation spielt eine entscheidende Rolle. Es hängt vom versicherten Verdienst, den bisherigen Ansprüchen sowie von möglichen Abschlägen oder Zuschlägen ab. Beschäftigte ab 60 sollten ihre voraussichtliche Rente für mehrere mögliche Beginntermine berechnen lassen. Denn die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Für 2026 liegt das vorläufige Durchschnittsentgelt bei 51.944 Euro. Wer in diesem Jahr einen beitragspflichtigen Jahresverdienst erreicht, erhält einen Entgeltpunkt, der – bei einem Rentenwert von 42,52 Euro ab Juli 2026 – monatlich 42,52 Euro an Bruttorente ohne Abschläge oder Zuschläge bedeutet. So könnte jemand mit einer bisherigen ungekürzten Monatsrente von 1.800 Euro von einem Plus von rund 2,36 Prozent profitieren.
Die Modellrechnung im Detail
Wer sich fragt, wie viel ein zusätzliches Jahr Arbeit konkret bringen kann, sollte sich die Modellrechnung anschauen: Ein Jahresverdienst von 25.972 Euro bringt 0,5 Entgeltpunkte und 21,26 Euro mehr monatlich. Bei 51.944 Euro sind es 1,0 Entgeltpunkte und 42,52 Euro zusätzliche Monatsrente. Und wer in der komfortablen Lage ist, 77.916 Euro zu verdienen, kann sogar 1,5 Entgeltpunkte und 63,78 Euro mehr monatlich erwarten. Doch Vorsicht: Diese Berechnungen berücksichtigen nur zusätzliche Beiträge und nicht spätere Rentenanpassungen oder persönliche Abzüge.
Klingt alles einfach? Ist es aber nicht immer. Wer sich für eine vorgezogene Altersrente entscheidet, muss darauf achten, dass später dauerhafte Abschläge vermieden werden können. Bei der Altersrente für langjährig Versicherte beträgt der Abschlag 0,3 Prozent pro vorgezogenem Monat. Ein späterer Beginn, beispielsweise um zwölf Monate, kann den Abschlag um 3,6 Prozentpunkte reduzieren. Bei einer ungekürzten Ausgangsrente von 1.800 Euro wären das 64,80 Euro mehr monatlich – und das zusätzlich zu den neuen Rentenpunkten.
Die richtige Entscheidung treffen
Für Jahrgänge ab 1964 ist eine Altersrente nach 35 Versicherungsjahren frühestens ab 63 möglich, allerdings mit bis zu 14,4 Prozent dauerhaftem Abschlag. Nach 45 anrechenbaren Versicherungsjahren kann ein abschlagsfreier Rentenbeginn ab 65 erfolgen, was jedoch nicht vorgezogen werden kann. Hier ist also strategisches Denken gefragt! Wer jedoch an eine Weiterarbeit denkt, kann seit 2023 seine Altersrente ohne Hinzuverdienstgrenze beziehen. Das heißt, Arbeitsentgelt mindert die Altersrente nicht, egal ob Voll- oder Teilrente oder auch bei vorgezogener Altersrente.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist: Wer vor Erreichen der Regelaltersgrenze weiterarbeitet, muss mit der Rentenversicherungspflicht rechnen, die zusätzliche Entgeltpunkte und damit eine spätere Rentenerhöhung bedeuten kann. Und was ist mit dem Steuerthema? Ja, auch die Steuerbelastung kann durch ein höheres Einkommen steigen. Die gesetzliche Rente wird als sonstiges Einkommen besteuert, und Arbeitslohn gilt ebenfalls als Einkommen aus nichtselbstständiger Arbeit.
Praxisbeispiel: Sabine
Nehmen wir mal Sabine, Jahrgang 1964. Sie könnte mit 65 Jahren und 45 anerkannten Versicherungsjahren monatlich 1.800 Euro brutto erhalten. Ein weiteres Arbeitsjahr mit dem Durchschnittsverdienst von 2026 würde ihren Anspruch auf 1.842,52 Euro erhöhen. Ein Aufschubzuschlag käme nicht hinzu, da ihr Rentenbeginn mit 66 noch vor ihrer Regelaltersgrenze von 67 liegt. Hat sie allerdings monatlich 1.100 Euro mehr aus ihrer Arbeit, hätte sie im zusätzlichen Arbeitsjahr zunächst 13.200 Euro mehr zur Verfügung. Eine schöne Summe, um sich ein paar Wünsche zu erfüllen! Doch was ist ihr wichtig? Das Geld oder die zusätzliche freie Zeit?
Schlussendlich bleibt die Entscheidung individuell. Wer gerne arbeitet und die sozialen Kontakte schätzt, hat gute Gründe für ein weiteres Arbeitsjahr. Wer jedoch hauptsächlich aus Gewohnheit weitermacht, sollte sich überlegen, wie die Zeit nach dem Berufsleben gestaltet werden kann. Und während die einen sich auf den Ruhestand freuen, haben andere Angst davor, den gewohnten Trott zu verlieren. Daher ist es wichtig, dass jeder für sich selbst abwägt, was ihm mehr wert ist – das finanzielle Polster oder die Freiheit, Zeit für sich selbst zu haben.
