Heute ist der 4.11.2026. Wenn man an Rente denkt, kommen einem oft Bilder von schüchternen alten Menschen in überfüllten Cafés oder von einem wohlverdienten Urlaub auf den Malediven in den Sinn. Aber was ist, wenn das Geld nicht reicht? Wenn die monatliche Rente plötzlich sinkt? Genau da setzt die aktuelle Rechtsprechung an. Die Aufregung rund um die Rentenfaktoren in privaten Versicherungen ist groß. Ein Thema, das nicht nur die Versicherer betrifft, sondern auch jeden Einzelnen von uns, der für den Ruhestand vorsorgt. Und jetzt gibt es gleich mehrere Urteile, die das Spiel verändern könnten!

Am 28. August 2026 hat das Oberlandesgericht Köln eine Klausel der Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung für unwirksam erklärt (Az. 20 UKl 2/24). Die Klausel, die 2017 bei vielen fondsgebundenen Riester- und Rentenversicherungen den Rentenfaktor senkte, darf nicht mehr gegen Verbraucher verwendet werden. Das bedeutet, dass Betroffene, die mit einer solchen Absenkung konfrontiert sind, unter Umständen Ansprüche geltend machen können. Die Verbraucherzentrale NRW und Finanzwende raten dazu, die eigenen Verträge zu überprüfen und mögliche Ansprüche rechtzeitig anzumelden.

Ähnliche Urteile des Bundesgerichtshofs

Ein weiteres, wegweisendes Urteil kam bereits am 10. Dezember 2025 vom Bundesgerichtshof (BGH). Dort wurde eine ähnliche Klausel in fondsgebundenen Riester-Verträgen der Allianz für unwirksam erklärt (Az. IV ZR 34/25). Diese Klausel erlaubte eine Senkung des Rentenfaktors, ohne eine Verpflichtung zur späteren Wiederanhebung. Das bedeutet, dass die Versicherer nicht einfach die Risiken auf die Versicherten abwälzen dürfen. Die Richter verlangen eine symmetrische Ausgestaltung der Anpassungsmechanismen. Das heißt, wenn der Rentenfaktor sinkt, muss er auch wieder steigen können – unter bestimmten Voraussetzungen.

Aber was genau bedeutet das für die Versicherten? Nehmen wir das Beispiel Petra M. Sie hätte bei einem ursprünglichen Rentenfaktor von 37,34 mit 130.000 Euro Kapital eine monatliche Rente von 485,42 Euro erhalten. Mit einer Senkung auf 27,97 Euro bekommt sie nur noch 363,61 Euro. Das sind 121,81 Euro weniger pro Monat. Über 20 Jahre summiert sich das auf stolze 29.234,40 Euro! Und das nur wegen einer Klausel, die das Oberlandesgericht für unwirksam erklärte.

Schritte zur Überprüfung der eigenen Rentenversicherung

Wer betroffen ist, sollte nicht tatenlos zusehen. Wichtig ist, die eigenen Vertragsunterlagen durchzugehen. Besonders die ursprünglichen Versicherungsscheine und die Bedingungen sind entscheidend. Auch wenn man bereits in Rente ist, kann es sich lohnen, die Zahlungen überprüfen zu lassen. Die Verjährungsfrist beträgt grundsätzlich drei Jahre – und die Zeit läuft! Ein einfaches Schreiben an den Versicherer, in dem man um Überprüfung bittet, kann bereits der erste Schritt sein. Darin sollten die Vertragsnummer, der ursprüngliche und der abgesenkte Rentenfaktor sowie das Datum der Änderungsmitteilung enthalten sein. Und: Eine konkrete Antwortfrist setzen!

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Ein weiteres Urteil des Landgerichts Köln vom 8. Februar 2023 hat bereits gezeigt, dass sich das Kämpfen lohnen kann. Dort wurde entschieden, dass Zurich den Rentenfaktor nicht ohne weiteres herabsetzen darf. Wenn das Gericht sagt, dass die Niedrigzinsphase kein Grund für eine Absenkung ist, dann ist das ein starkes Zeichen. Auch andere Versicherer wie AXA, VHV und R+V haben ähnliche Klauseln, die möglicherweise rechtlich angreifbar sind.

Die Bedeutung der Klauseln und ihre Auswirkungen

Die Rentenfaktoren bestimmen, wie viel monatliche Rente pro 10.000 Euro Vertragsguthaben gezahlt wird. Bei einem Rentenfaktor von 30, zum Beispiel, erhält man für 100.000 Euro Kapital etwa 300 Euro Rente. Ein Faktor von 20 würde nur 200 Euro ergeben. Die Differenz kann, je nach Lebensalter, immense Summen ausmachen. Aber nicht jede Senkung ist automatisch unwirksam. Es kommt auf die konkreten Vertragsbedingungen an.

Neben Riester-Verträgen könnten auch Rürup-Verträge und betriebliche Altersvorsorge betroffen sein. Die Branchenexperten schätzen, dass bis zu eine Million Verträge in Deutschland potenziell betroffen sind. Das wirft die Frage auf: Wie sicher ist meine Altersvorsorge wirklich? Ein Widerspruch gegen den Vertrag kann eine Möglichkeit sein, um sich gegen unfaire Klauseln zu wehren.

In diesem Dschungel aus möglichen Ansprüchen und rechtlichen Auseinandersetzungen bleibt eines wichtig: Wer rechtzeitig handelt, hat die besten Chancen, seine Ansprüche durchzusetzen. Und vielleicht ist es die richtige Zeit, um einen Fachmann zurate zu ziehen, der sich mit den Feinheiten des Versicherungsrechts auskennt. Schließlich geht es um Ihre Rente – und die sollte nicht einfach so beschnitten werden!