Schweizer Rentenmodell als Vorbild für die deutsche Altersvorsorge?
Die Diskussion über die Rentenreform in Deutschland wird immer lauter. Der demografische Wandel und die steigende Lebenserwartung stehen im Mittelpunkt. Dabei wird auch immer wieder ein Blick über die Grenze geworfen – konkret in die Schweiz. Hier könnte das Rentensystem als Vorbild dienen, mit seinen drei Säulen, die eine solide Grundlage für die Altersvorsorge bilden.
Fangen wir mal mit den Zahlen an. Laut einer aktuellen Prognose wird der durchschnittliche Rentenzahlbetrag in Deutschland 2025 bei etwa 1.195,31 Euro liegen. Die Frauen müssen sich mit durchschnittlich 993,92 Euro begnügen, während die Männer mit 1.449,43 Euro etwas besser dastehen. In der Schweiz hingegen sieht die Sache ganz anders aus: Die durchschnittliche Alters- und Hinterlassenenversicherung-Rente (AHV) wird 2024 bei 1.991,75 Schweizer Franken liegen. Am 1. Dezember 2026 wird zudem eine 13. AHV-Rente ausgezahlt, was für viele Rentner einen zusätzlichen finanziellen Puffer bedeutet.
Ein Blick auf die Unterschiede
Die Rentensysteme von Deutschland und der Schweiz sind nicht direkt vergleichbar. Während die deutsche gesetzliche Rente allein für die Grundsicherung zuständig ist, basiert das Schweizer System auf drei Säulen. Die erste Säule – die AHV – dient der Existenzsicherung der gesamten Bevölkerung. Sie wird durch Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, aber auch durch Bundessteuern finanziert. Im Jahr 2020 kamen 73 % der Mittel aus Lohnbeiträgen, 20 % aus Bundesbeiträgen und 6 % aus der Mehrwertsteuer.
Die zweite Säule, die berufliche Vorsorge (BVG), ist für Arbeitnehmer mit einem Jahreslohn über 22.050 CHF obligatorisch. Hierbei sparen die Arbeitnehmer eigenes Kapital an, um ihre Altersrente zu ergänzen. Und dann gibt es noch die dritte Säule, die private Vorsorge, die jeder individuell gestalten kann. Diese Struktur sorgt dafür, dass viele Schweizer im Alter insgesamt besser dastehen, als es die AHV-Rente allein vermuten lässt.
Die Ersatzquote – ein entscheidender Faktor
Ein interessanter Punkt ist die Ersatzquote. Diese gibt an, wie hoch die Rente im Verhältnis zum letzten Einkommen ist. Während der OECD-Durchschnitt bei 63,2 Prozent des letzten Gehalts liegt, schafft Deutschland nur 53,3 Prozent. In der Schweiz liegt die Ersatzquote noch niedriger bei 47,5 Prozent. Die Schweizer Behörden streben allerdings an, etwa 60 Prozent des früheren Verdienstes abzusichern. Gerade für Personen mit höheren Einkommen wird es dennoch schwieriger, den Lebensstandard zu halten – vor allem wenn man die Lebenshaltungskosten in der Schweiz betrachtet, die laut Destatis 2021 um 51 Prozent höher waren als in Deutschland.
So einfach ist der Vergleich also nicht. Höhere nominale Renten in der Schweiz bedeuten nicht zwangsläufig eine bessere finanzielle Situation. Die Lebenshaltungskosten sind ein entscheidender Faktor, den man im Auge behalten sollte. Ein direktes „Wer hat die bessere Rente?“ ist daher nur schwer zu beantworten.
Die drei Säulen der Schweizer Vorsorge
Zurück zum Schweizer Modell. Die erste Säule, die AHV, sichert das Existenzminimum ab. Sie umfasst Altersrenten sowie Hinterlassenenleistungen. Die zweite Säule, die berufliche Vorsorge, ergänzt die AHV-Rente und sorgt dafür, dass die Lebenshaltungskosten im Alter gedeckt sind. Und die dritte Säule? Die ist freiwillig und dient dazu, individuelle Vorsorgelücken zu schließen. Hier gibt es die gebundene Vorsorge 3a und die freie Vorsorge 3b, die unterschiedlich ausgestaltet sind und verschiedene steuerliche Vorteile bieten.
Übrigens: Die maximal steuerlich abziehbaren Beiträge der Säule 3a betragen 2026 für Angestellte 7.258 CHF und für Selbstständige ohne Pensionskasse 36.288 CHF. Die Einzahlungen in die Säule 3a können bis zu den gesetzlichen Höchstbeträgen vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Das ist ein echter Vorteil für viele Erwerbstätige!
Fazit oder nicht?
Ein abschließendes Fazit zu ziehen, wäre da fast zu einfach. Die Unterschiede zwischen den Rentensystemen in Deutschland und der Schweiz sind vielschichtig. Und während die Schweiz mit ihrem durchdachten Drei-Säulen-System eine solide Altersvorsorge bietet, wird in Deutschland weiterhin über Reformen diskutiert. Wer also plant, im Alter die Füße hochzulegen, der sollte sich rechtzeitig mit der eigenen Rentenplanung beschäftigen – egal ob in Deutschland oder der Schweiz. Denn die Fragen der Altersvorsorge sind nicht nur Zahlen, sie sind auch Lebensqualität und ein Stück weit Sicherheit für die Zukunft.
