Altersarmut: Frauen im Schatten der Scheidung
Die Scheidungsrate in Deutschland ist hoch, und damit auch die Sorgen um die finanzielle Sicherheit im Alter. Besonders Frauen müssen hier oft die bittere Pille schlucken. Eine Scheidung kann nicht nur das Herz brechen, sondern auch das Portemonnaie. Frauen sind häufig die Leidtragenden, wenn es um die Altersvorsorge geht. Das liegt daran, dass sie in der Regel weniger eigene Rentenansprüche haben, oft durch Teilzeitarbeit oder Care-Arbeit bedingt. Und das ist mehr als nur ein statistisches Problem.
Eine aktuelle Studie, der Allianz Vorsorge Index 2026, hat gezeigt: Nur knapp 20% der Deutschen sind überzeugt, ausreichend für das Alter vorgesorgt zu haben. Und das, obwohl 46% der Befragten bereits Maßnahmen ergriffen haben, die sie jedoch als unzureichend empfinden. Frauen sind dabei skeptischer als Männer. Laut dem Statistischen Bundesamt verbringen Frauen im Durchschnitt 44,3% mehr Zeit mit unbezahlter Arbeit als Männer. Das ist nicht nur ein Ungleichgewicht, sondern führt auch direkt zur Gender Pension Gap – also dem Unterschied der Altersrenten zwischen den Geschlechtern.
Die Schattenseiten des Versorgungsausgleichs
Der Versorgungsausgleich, der im Falle einer Scheidung Rentenansprüche als gemeinschaftliche Lebensleistung betrachtet, reicht oft nicht aus, um die Rentenlücken zu schließen. Das betrifft besonders Paare, bei denen eine Partei wenig oder gar nicht erwerbstätig war. Nach einer Scheidung fehlt einfach das gemeinsame Haushaltseinkommen, und der Zugang zu den höheren Rentenansprüchen des Partners ist plötzlich weg. Das ist nicht nur frustrierend, sondern kann auch existenzielle Ängste hervorrufen.
Viele Frauen stehen dann vor dem Problem, dass sie ihre eigenen Rentenansprüche nicht rechtzeitig aufgebaut haben. Daher ist es ratsam, frühzeitig zu handeln – etwa durch rechtliche Beratung im Scheidungsfall oder durch aktive Vermögensbildung. Schriftliche Vereinbarungen zum finanziellen Ausgleich bei Care-Arbeit sind ebenfalls ein wichtiger Schritt. So kann man verhindern, dass man am Ende mit leeren Händen dasteht.
Altersarmut als weibliches Problem
Die Zahlen sind alarmierend: Frauen in Deutschland beziehen im Schnitt rund 25% weniger Alterseinkünfte als Männer und über 60% der Menschen im Rentenalter, die unter der Armutsgefährdungsgrenze leben, sind Frauen. Jede fünfte Frau über 65 Jahre ist armutsgefährdet, und die Tendenz zeigt steil nach oben. Teilzeitjobs, Minijobs und längere Erwerbsunterbrechungen für Kinder und Pflege – all das trägt zur strukturellen Altersarmut bei. Es ist ein Teufelskreis, der für viele Frauen kaum zu durchbrechen ist.
Der Gender Care Gap, der Frauen dazu zwingt, den Großteil der Kinderbetreuung und Pflege zu übernehmen, führt nicht nur zu einem geringeren Einkommen während der Erwerbsphase, sondern drückt auch die Altersvorsorge. Und dann gibt es da noch die steuerlichen Fehlanreize – die Steuerklassenkombination III/V begünstigt in der Regel eine Abhängigkeit von Männern. Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch untragbar!
Wege aus der Altersarmut
Um dem Teufelskreis zu entkommen, sollten Frauen ihre Erwerbsbiografie aktiv steuern. Die Bundesregierung hat als Antwort auf die alarmierenden Statistiken die Plattform „Mit Geld & Verstand“ zur finanziellen Bildung ins Leben gerufen. Initiativen wie die „Lebenskarte Eigenständigkeit“ vom Fraunhofer IAO sollen helfen, durch zentrale Lebensphasen zu navigieren und die finanzielle Selbstbestimmung zu fördern.
Es ist also Zeit, aktiv zu werden! Eigenständige Anlageentscheidungen und die Dokumentation freiwilliger Beiträge für Care-Arbeit sind entscheidend. Wenn wir nicht handeln, wird Altersarmut weiterhin ein weibliches Problem bleiben. Ein Aufruf zur Eigenverantwortung und zur Schaffung von klaren Strategien zur Verbesserung der Altersvorsorge ist unerlässlich. Denn am Ende des Tages möchte niemand im Alter auf das Existenzminimum zurückgeworfen werden.