Die Sorgen um die Altersvorsorge sind für viele junge Menschen in Deutschland ein drängendes Thema. Nehmen wir Toni, 23 Jahre alt und Student der Kunstgeschichte in Mainz. Er ist einer von vielen, die sich mit der Frage beschäftigen: „Was passiert eigentlich, wenn ich älter werde?“ Toni hat Angst vor Altersarmut, und das, obwohl er gerade erst am Anfang seines Lebens steht. Professorin Carmela Aprea, die sich intensiv mit der Finanzbildung junger Menschen auseinandersetzt, hat festgestellt, dass viele in Tonis Altersgruppe nicht wissen, wie die gesetzliche Rente funktioniert und welche Ansprüche sie haben. Das ist ein echtes Problem!
Aktuell gilt in Deutschland fast jede fünfte Person über 65 als armutsgefährdet – mehr als im EU-Durchschnitt. Das sind alarmierende Zahlen! Rund 750.000 Menschen über 66 Jahre beziehen Grundsicherung im Alter. Wer denkt, dass das Rentensystem stabil ist, wird schnell eines Besseren belehrt. Das Umlageverfahren, auf dem die gesetzliche Rentenversicherung basiert, wird durch den demografischen Wandel massiv unter Druck gesetzt. Früher kamen auf einen Rentner etwa sechs Erwerbstätige, heute sind es nur noch zwei. Prognosen besagen, dass es bis 2050 nur noch 1,3 Beitragszahler pro Rentner geben wird. Wie soll das gutgehen?
Die Zahlen sprechen für sich
Ein Beispiel: Peter, ein Elektroniker, verdient jährlich 52.000 Euro brutto und erhält dafür einen Rentenpunkt pro Jahr. Pro Rentenpunkt gibt es 40,79 Euro Rente, was nach 40 Jahren Beitragszahlung eine monatliche Rente von rund 1.631,79 Euro brutto ergibt. Aber die gesetzliche Rente allein wird für viele nicht ausreichen. Daher gewinnen betriebliche und private Altersvorsorge zunehmend an Bedeutung. Die betriebliche Altersvorsorge, bei der ein Teil des Bruttolohns in eine Zusatzrente fließt – oft mit einem Arbeitgeberzuschuss – ist eine Möglichkeit. Private Altersvorsorge umfasst Rentenversicherungen sowie Fonds- und ETF-Sparpläne.
Ab 2027 soll ein neues staatlich gefördertes Altersvorsorge-Depot die Riester-Rente ablösen. Das klingt alles schön und gut, aber was ist mit den jungen Menschen, die keinen Plan haben? Finanz-Tipps auf Social Media sind oft unseriös, und Professorin Aprea rät dazu, Informationen kritisch zu hinterfragen. Immer mehr junge Menschen nutzen Apps und Online-Broker für Geldanlagen, da sie traditionelle Banken als teuer und die Beratung als unzureichend empfinden. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn es beängstigend erscheinen mag.
Frühzeitig vorsorgen
Um Altersarmut zu vermeiden, gibt es drei einfache Schritte: Erstens, früh mit der Geldanlage beginnen, selbst kleine Beträge können sich summieren. Zweitens, auf seriöse Informationsquellen setzen, und drittens, betriebliche sowie private Vorsorgeangebote genau unter die Lupe nehmen. Denn eines ist sicher: Die Rentensituation wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Aktuell erhalten 42% der 19 Millionen Rentner weniger als 1.000 Euro netto Rente pro Monat. Ein weiteres besorgniserregendes Zeichen ist, dass 20% der über 65-Jährigen armutsgefährdet sind – das sind Menschen, die weniger als 1.381 Euro netto im Monat zur Verfügung haben.
Die Herausforderungen wachsen, und einige Wirtschaftsexperten fordern bereits eine Reform des Rentensystems. Doch die Realität sieht anders aus. Das Rentenniveau lag 1990 bei 55%, jetzt sind wir bei 48% angelangt. Prognosen deuten darauf hin, dass es bis 2030 auf 47% und bis 2040 sogar auf 45% sinken könnte. Wer in Deutschland für die Zukunft vorsorgt, muss selbst aktiv werden. Um 70-80% des letzten Nettoeinkommens zu erreichen, sollten Beitragszahler etwa 15% ihres Nettoeinkommens langfristig zurücklegen. Die staatlich unterstützten Produkte wie Riester- und Rürup-Rente sind oft unflexibel, und viele junge Menschen haben das Gefühl, dass sie sich besser selbst um ihre Altersvorsorge kümmern sollten.
Die Diskussion über die Rentenreform geht weiter, während die Zeit nicht stillsteht. Die Verantwortung für die eigene Altersvorsorge liegt damit immer stärker bei jedem Einzelnen. Und auch wenn die Zahlen und Statistiken erschreckend sind, gibt es Hoffnung: Über die Hälfte der 18- bis 30-Jährigen spart aktiv privat für ihre Altersvorsorge. Vielleicht ist das der erste Schritt in eine bessere Zukunft.