In der beschaulichen Stadt Wolfratshausen lebt die 73-jährige Barbara K., die trotz jahrzehntelanger Arbeit und einem Leben voller Hingabe nur auf eine Rente von 850 Euro zurückblicken kann. Diese Summe reicht nicht annähernd aus, um ihre Lebenshaltungskosten zu decken. Um über die Runden zu kommen, muss sie auf Grundsicherung im Alter zurückgreifen. Mit einem Budget von rund 540 Euro, das ihr nach Abzug aller Fixkosten bleibt, muss sie für Strom, Telefon, Lebensmittel, Fahrkosten, Arztkosten und Kleidung haushalten. Es ist ein Leben im Minimalismus, in dem sie auf viele Annehmlichkeiten verzichtet, um den täglichen Bedarf zu decken.
Barbara K. hat als Übersetzerin gearbeitet und spricht mehrere Sprachen, was ihr in der Vergangenheit eine gewisse Flexibilität in der Berufswelt gegeben hat. Dennoch hat ihre Teilzeitarbeit und die Erziehung ihrer zwei Söhne dazu geführt, dass ihre Rente so niedrig ausgefallen ist. Ihre Enttäuschung über die staatliche Unterstützung ist spürbar; sie empfindet es als beschämend, dass sie nach all den Jahren harter Arbeit auf Sozialhilfe angewiesen ist. Unterstützung von ihren Kindern ist ebenfalls begrenzt, da einer in Barcelona lebt und selbst finanzielle Schwierigkeiten hat.
Hilfe aus der Gemeinschaft
Glücklicherweise erhält Barbara K. Unterstützung vom Verein Seniorenhilfe Lichtblick, der ihr mit finanziellen Soforthilfen, Lebensmittelgutscheinen und verschiedenen Veranstaltungen zur Seite steht. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, bedürftigen Senioren über 60 Jahren zu helfen, die eine deutsche Rente beziehen und auf Grundsicherung oder Wohngeld angewiesen sind. Aktuell unterstützt der Verein über 31.000 Senioren in Deutschland, davon über 10.000 im Großraum München. Barbara schätzt die Hilfe insbesondere in Notlagen, sei es beim Kauf einer neuen Brille oder bei defekten Haushaltsgeräten.
Altersarmut in Deutschland
Die Situation von Barbara K. ist keineswegs eine Ausnahme. Im Jahr 2024 waren knapp 740.000 Personen in Deutschland auf Grundsicherung im Alter angewiesen – ein Rekordhoch. Fast 20 Prozent der Menschen ab 65 Jahren gelten als armutsgefährdet. Besonders betroffen sind Senioren, Kinder und Alleinerziehende. Die Überalterung der Gesellschaft und die Engpässe im Rentensystem könnten die Problematik der Altersarmut in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Frauen sind hierbei besonders stark betroffen: Die Armutsgefährdungsquote liegt bei 21,6 Prozent für Seniorinnen, während sie bei 17,1 Prozent für Senioren ist.
Die Ursachen für Altersarmut sind vielfältig. Die gesetzliche Rente ist die Hauptquelle des Einkommens für Menschen über 65 Jahre und hängt stark von den Einzahlungen während des Arbeitslebens ab. Unterbrechungen im Arbeitsleben, sei es durch Erwerbslosigkeit, Kindererziehung oder Pflege, wirken sich negativ auf den Rentenanspruch aus. Zudem sind viele Frauen, die häufiger in Teilzeit arbeiten und mehr unbezahlte Care-Arbeit übernehmen, von einer geringeren Alterssicherung betroffen. Die Diskussion um den Gender Pension Gap zeigt, dass Frauen im Schnitt fast ein Viertel weniger Rente erhalten als Männer.
Die Geschichte von Barbara K. ist ein Spiegelbild einer größeren gesellschaftlichen Herausforderung. Es ist an der Zeit, die Stimmen der Betroffenen zu hören und gemeinsam Lösungen zu finden, um die Lebensqualität unserer Senioren zu verbessern und Altersarmut in Zukunft zu bekämpfen.