Der Erlanger Bergkirchweih, ein Fest, das viele mit fröhlichen Klängen und ausgelassener Stimmung verbinden, sieht sich derzeit mit einem ernsten Thema konfrontiert. Die städtische Gleichstellungsstelle hat empfohlen, zwölf Lieder mit frauenfeindlichen Inhalten von der Playlist zu streichen. Eine gute Idee, könnte man meinen. Doch das hat für Aufregung gesorgt – nicht nur bei den Wirten, sondern auch bei den Bands, deren Repertoire nun auf dem Prüfstand steht. Ist es wirklich notwendig, sich von den alten Klamotten zu trennen, nur weil sie nicht mehr in die heutige Zeit passen? Eine Frage, die wohl viele beim Feiern beschäftigt.
Unterdessen geht es auch in anderen Lebensbereichen nicht immer gerecht zu. Nehmen wir zum Beispiel die 72-jährige Isolde Schleich, die trotz gesundheitlicher Probleme an ihrem Obststand arbeitet. Ihre gesetzliche Rente reicht hinten und vorne nicht. Vor 19 Jahren hat sie einen Vertrag mit einer privaten Vermögensverwaltung abgeschlossen, aber kein Cent ist bisher geflossen. Sie ist nur eine von vielen Rentnern, die auf dem unregulierten „Grauen Kapitalmarkt“ sitzen und auf bessere Zeiten hoffen.
Sorgen über die Storchpopulation und Wohnraummangel
In Bayern hingegen gibt es eine erfreuliche Entwicklung zu vermelden: Die Storchpopulation hat sich von 126 Brutpaaren im Jahr 2005 auf rund 1.600 in diesem Jahr erhöht. Uehlfeld ist der Ort mit den meisten Störchen, doch die Freude ist nicht ungetrübt. Hausbesitzer klagen über verstopfte Dachrinnen und andere Probleme. Gleichzeitig profitiert der Tourismus von den Storchenbeobachtungen, und ein Kiosk hat sogar Souvenirs im Angebot, um die Reinigung der Dachrinnen zu finanzieren. Man muss sich fragen, ob die Freude über die Rückkehr der Störche den Ärger über die praktischen Schwierigkeiten aufwiegt.
Zurück zu den urbanen Sorgen: In vielen Großstädten steigen die Miet- und Immobilienpreise unaufhörlich. Otto Gugger hat in München ein Zeichen gesetzt, indem er sein Grundstück an die Stiftung „Daheim im Viertel“ verschenkt, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Ein Schritt, der anderen Städten als Vorbild dienen könnte. Nürnberg hat bereits einen Anfang gemacht – vielleicht wird der Wohnraum für viele bald weniger zur Luxusangelegenheit? Wer weiß das schon.
Gendergerechtigkeit in der Musikbranche
Ein ganz anderes Thema, das aber eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen verknüpft ist, ist die Geschlechtergerechtigkeit in der Musikbranche. Die MaLisa Stiftung hat in Zusammenarbeit mit GEMA und Music S Women* eine umfassende Recherche durchgeführt und herausgefunden, dass sich seit 2010 kaum etwas an der Geschlechterverteilung geändert hat. Über 85% der Musik in den deutschen Wochencharts wird von Männern komponiert. Das ist schon eine Hausnummer! Und während der Frauenanteil bei GEMA-Mitgliedern um gerade einmal 1% gestiegen ist, bleibt der durchschnittliche Frauenanteil auf Festivalbühnen 2019 bei mageren 16%. Das ist nicht gerade das, was man sich unter einem Gleichgewicht vorstellt. Auch nichtbinäre Menschen und andere Geschlechtsidentitäten sind kaum sichtbar.
Die gute Nachricht? Bei Festivals gibt es einen zaghafter Trend nach oben, besonders bei den kleineren Veranstaltungen. Da könnte sich vielleicht etwas tun. Aber in allen anderen Bereichen – vom Songwriting über die Charts bis hin zu den Festivals – bleibt der Frauenanteil weit unter einem Fünftel. Und das, obwohl Initiativen zur Geschlechtergerechtigkeit in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen haben. Ein Aufwärtstrend wäre dringend nötig, denn die Musiklandschaft sollte schließlich die Vielfalt unserer Gesellschaft widerspiegeln.