Die Möbel-Kette Roller, ein Name, der in deutschen Wohnzimmern einen festen Platz hat, sieht sich in den letzten Monaten mit einer Reihe von Filialschließungen konfrontiert. Mit derzeit 120 Standorten im Land ist Roller nicht mehr das, was es einmal war. Die Eröffnung eines Räumungsverkaufs in der Offenbacher Filiale in der Strahlenberger Straße 81, die Mitte Juli 2026 schließen wird, ist nur die Spitze des Eisbergs. Es ist bereits die siebte Schließung innerhalb eines Jahres. Ein wenig wie das Ausräumen einer alten Wohnung, in der die besten Stücke schon lange weg sind – und das Gefühl bleibt, dass etwas Wertvolles verloren geht.
Die Schließungen betreffen nicht nur Offenbach. Auch in anderen Städten wie Husum, Crailsheim und Gera wird das Licht ausgehen. In Villingen-Schwenningen, wo der Räumungsverkauf im Januar 2026 begann, ist die Schließung bis Ende Juni 2026 geplant. Preisnachlässe bis zu 30 Prozent sind dabei keine Seltenheit, und das Sortiment reicht von Möbelstücken über Matratzen bis hin zu Wohnaccessoires. Das ist fast wie ein überdimensionaler Schlussverkauf – die Regale leeren sich, und die Kunden, die noch kommen, hoffen auf das letzte Schnäppchen.
Die Herausforderungen des Möbelhandels
Das Bild, das sich hier abzeichnet, ist keineswegs isoliert. Die gesamte Möbelbranche steht unter Druck. Ein Umsatzminus von 6 bis 8 Prozent wird für 2024 prognostiziert, und die Gründe sind vielfältig. Eine allgemeine Konsumzurückhaltung, die Sättigung des Marktes durch vorgezogene Käufe während der Corona-Zeit und sinkende Baugenehmigungszahlen sind nur einige der Faktoren, die das Geschäft erschweren. Das Geschäft mit Möbeln, das einst ein beliebter Ausflugsort für Familien war, hat sich verändert. Restaurants in Möbelhäusern schließen, der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee wird immer seltener, und die Kinderbetreuung ist nicht mehr selbstverständlich. Besucherzahlen sind um 10 bis 20 Prozent gesunken – in manchen Monaten sogar um 30 bis 40 Prozent. Es ist, als würde die Branche in eine andere Dimension eintauchen.
Wie ein schleichendes Unbehagen wird der Rückzug von Roller in einigen Städten zum Symbol für den Wandel im stationären Einzelhandel. Die Schließungen sind nicht nur Zahlen auf einem Blatt Papier. Sie betreffen Menschen, die dort arbeiten. Unklar bleibt, wie viele Mitarbeiter letztendlich betroffen sind und welche Alternativen ihnen angeboten werden. Die Immobilien, die nach diesen Schließungen frei werden, stehen oft leer – was passiert mit diesen Orten? Fragen über Fragen, die in den Kommunen jetzt im Raum stehen.
Ein Blick in die Zukunft
Roller selbst betont, dass diese Schließungen Einzelfallentscheidungen sind und keinen generellen Rückzug darstellen. Das Unternehmen plant, wirtschaftlich stabile und rentable Standorte weiterzuentwickeln und zu modernisieren. Ob das wirklich funktioniert, bleibt abzuwarten. Der stationäre Möbelhandel muss sich anpassen, und die Zukunft ist ungewiss. Ein Drittel der Möbel „Made in Germany“ wird bereits ins Ausland verkauft, und Hersteller suchen neue Betätigungsfelder, insbesondere im Export. Das macht Hoffnung, aber auch deutlich, dass es nicht einfach zurück zur alten Normalität geht.
Die Möbelmesse „imm“ in Köln wurde abgesagt, was die Krise im Möbelhandel verdeutlicht. Händler-Präsident Markus Meyer spricht von einer „schwierigen und herausfordernden Situation“. Und während die großen Namen wie XXXLutz die Übernahme von Porta feiern, bleibt für viele kleinere Anbieter nur das Gefühl, dass die Zeit gegen sie läuft. Die Branche fühlt sich von der Politik vernachlässigt, obwohl sie einen bedeutenden wirtschaftlichen Einfluss hat. Es ist ein Zeichen der Zeit, dass sich die Landschaft im Einzelhandel verändert und dass wir möglicherweise erst am Anfang eines langen Wandels stehen.