Heute ist der 12.05.2026 und während die Sonne über Stuttgart strahlt, werfen die Nachrichten zur Gasversorgung einen langen Schatten auf die kommenden Wintermonate. Die Speicherbetreiber, ein wenig besorgt, warnen vor Unsicherheiten. Gerade für den Winter 2026/27 könnten besonders kalte Bedingungen, ähnlich wie im Jahr 2010, zu Gasknappheit führen. Wie wir wissen, kann das Wetter launisch sein. Branchenverbände wie die Initiative Energien Speichern (Ines) äußern Bedenken zu dieser angespannten Situation. Hohe Gaspreise und die Marktveränderungen, die durch den Iran-Krieg bedingt sind, bremsen die Befüllung der Gasspeicher enorm.

Als am 1. Mai 2026 die deutschen Gasspeicher nur zu 26 Prozent gefüllt waren, kam das schon wie ein Schock. Um eine bessere Vorstellung zu bekommen: Gashändler haben für den 1. November 2026 eine Kapazität von 76 Prozent in den Speichern gebucht. Die Frage bleibt jedoch: Wird diese Kapazität vor dem Winter tatsächlich genutzt? Der Markt bietet derzeit nicht gerade die besten ökonomischen Anreize zur Einspeicherung von Gas. Sebastian Heinermann, Geschäftsführer von Ines, betont die Dringlichkeit, ausreichend Speicherkapazitäten sicherzustellen. Und wenn es wirklich bitterkalt wird, könnte im ersten Quartal 2027 bis zu 20 Terawattstunden Gas fehlen. Das klingt nicht gerade beruhigend. An einzelnen Tagen könnte mehr als 35 Prozent des Gasverbrauchs nicht gedeckt werden.

Monitoring und Infrastruktur

Ines empfiehlt, die Füllstände, Verbräuche und Gas-Importe auf EU-Ebene zu überwachen. Das klingt zwar nach viel Bürokratie, aber es ist notwendig. Gleichzeitig drängt der Verband darauf, die Gas- und Wasserstoffinfrastruktur weiterzuentwickeln und die Verbraucher für den Gasverbrauch zu sensibilisieren. Schließlich betrug der Gasverbrauch im Jahr 2025 stolze 910 Terawattstunden – ein Anstieg von 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Kommt dazu, dass der kalte Januar 2026 die Speicher schneller leerte, während die hohen Preise die Befüllung extrem erschwerten.

Spannend ist auch, dass die Ines 17 Mitgliedsunternehmen vertritt, die zusammen 90 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazität betreiben. Das sind nicht nur Zahlen, das sind Unternehmen, die unter Druck stehen und Lösungen finden müssen. Doch während wir hierzulande über unsere Gasspeicher und Möglichkeiten zur Einsparung diskutieren, gibt es auch weltweite Entwicklungen, die nicht ignoriert werden können.

Globale LNG-Entwicklungen

Die globalen LNG-Exportkapazitäten sollen bis 2030 um fast 50 Prozent wachsen. Der Hauptanteil dieses Wachstums kommt aus den USA und Katar. Das klingt nach einer großartigen Lösung, um die Gasversorgung zu sichern, oder? Aber hier wird’s knifflig: Die Preise für Erdgas könnten für viele Entwicklungsländer schlichtweg nicht attraktiv genug sein, um auf Gas umzusteigen. Genehmigte neue Verflüssigungskapazitäten betragen rund 270 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Diese sollen bis 2030 in Betrieb genommen werden, aber die Nachfrage wird bis 2035 um mehr als 2,5 Prozent pro Jahr wachsen – das übersteigt den allgemeinen Gasverbrauch. Es gibt also viel Bewegung auf dem Markt.

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Europa und China haben zwar die Infrastruktur für höhere Gasimporte, aber die Möglichkeiten zur Marktanpassung sind begrenzt. Vor allem, weil viel Geld in saubere Energien investiert wird. Und das bedeutet, dass Gasimporte für Schwellen- und Entwicklungsländer nur dann attraktiv sind, wenn die Preise bei 3-5 USD/MBtu liegen. Bei den neuen Exportprojekten braucht man jedoch im Durchschnitt Preise von rund 8 USD/MBtu, um die Kosten zu decken. Ein Dilemma, das nicht so leicht zu lösen ist.

Die Gasmärkte müssen also niedrigere Preise, eine höhere Stromnachfrage und eine langsame Energiewende aufweisen, damit das geplante LNG-Angebot auch wirklich abgenommen werden kann. Eine schnelle Energiewende oder unerwartete Angebotsentwicklungen könnten diese LNG-Angebotsschwemme verstärken. Das alles hat direkte Auswirkungen auf uns hier in Stuttgart, auch wenn wir es vielleicht erst später merken. Es bleibt spannend.