AV-Depot und ETFs: Neue Chancen für die Altersvorsorge, besonders für Frauen
Die Diskussion über Altersvorsorge wird immer aktueller, gerade jetzt, wo das staatlich geförderte Altersvorsorge-Depot (AV-Depot) ab dem 1. Januar 2027 auf den Plan tritt. Das Ziel? Private Altersvorsorge soll mehr Menschen zugänglich gemacht werden, und dabei vor allem den Kapitalmarktzugang erleichtern. ETFs, diese beliebten Exchange Traded Funds, könnten dabei das Mittel der Wahl sein. Warum das so ist, klären wir hier.
Wusstest du, dass laut einer Studie drei Viertel der Deutschen schon mal von ETFs gehört haben? Aber hier kommt der Haken: Ihr eigenes Wissen darüber bewerten sie im Schnitt nur mit der Schulnote 4,5. Also, da ist definitiv Luft nach oben! Gerade für Frauen, die häufig Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitphasen erleben, ist ETF-Grundwissen überaus wichtig. Denn wer nicht vorsorgt, kann schnell in eine Rentenlücke geraten. Finanzexpertin Marzena Hofrichter hebt hervor, dass es drei zentrale Begriffe gibt, die man im Hinterkopf haben sollte, wenn man mit ETFs starten möchte: Streuung, Kosten und Anlagehorizont.
Die Basics der ETFs
ETFs sind im Grunde genommen börsengehandelte Fonds, die oft einen Index abbilden. Der Einstieg kann ganz einfach über einen breit gestreuten ETF und einen Sparplan erfolgen. Tatsächlich investieren drei Viertel der ETF-Anleger über einen solchen Sparplan. Das ist nicht nur praktisch, sondern auch clever, denn regelmäßige Investitionen, zum Beispiel monatlich, helfen, den richtigen Einstiegszeitpunkt zu relativieren. Man kann bei vielen Anbietern bereits ab 25 Euro starten – das ist doch machbar, oder?
Ein weitere Aspekt, den man nicht vergessen sollte, ist die finanzielle Vorsorge: Sie ermöglicht, selbstständig Entscheidungen zu treffen und das zukünftige Einkommen abzusichern. Gerade für Frauen, die oft mit Teilzeitarbeit oder Erwerbsunterbrechungen kämpfen, kann das entscheidend sein. Die Rentenlücke zwischen den Geschlechtern betrug 2023 rund 27 Prozent – das ist schon ein ganz schöner Batzen, der da auf dem Tisch liegt.
Das AV-Depot – eine neue Chance?
Das AV-Depot soll nicht nur den Zugang zur Altersvorsorge erleichtern, sondern auch durch staatliche Förderung unterstützen. Das klingt erst einmal vielversprechend! Die Grundzulage beträgt bis zu 540 Euro pro Jahr, und für jedes kindergeldberechtigte Kind gibt es sogar zusätzliche Zulagen. All das soll motivieren, langfristig in ETFs und Fonds zu investieren. Eine echte Alternative zu den oft als unübersichtlich und teuer wahrgenommenen klassischen Rentenversicherungen.
Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Wer sein Geld in ETFs anlegt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass gewisse Risiken mit dem Kapitalmarkt einhergehen. Kursschwankungen sind normal, und deswegen ist es wichtig, einen langen Anlagehorizont einzuplanen. Das AV-Depot wird zwar als neues Konzept gefeiert, es ist aber kein Allheilmittel. Es kann nicht die strukturellen Benachteiligungen hinsichtlich Löhnen und Care-Arbeit ausgleichen, die viele Frauen betreffen.
Vor- und Nachteile abwägen
Ein Vorzug des klassischen ETF-Depots ist die Flexibilität: Hier kann jederzeit über das Vermögen verfügt werden. Das AV-Depot hingegen hat seine Regeln – eine vorzeitige Auszahlung kann beispielsweise als schädliche Verwendung gelten. Doch, wie so oft, gibt es auch hier das berühmte „aber“: Während der Ansparphase fällt beim AV-Depot keine laufende Steuer an, was die Sache durchaus attraktiv macht. In der Auszahlungsphase unterliegen jedoch 100 % der Auszahlungen der persönlichen Einkommensteuer, was für viele eine unangenehme Überraschung sein könnte, wenn der Steuersatz im Ruhestand höher ist als während der Erwerbszeit.
Das Thema Kosten ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen. AVDs könnten teurer sein als die kostengünstigen ETF-Depots bei Direktbanken. Und auch hier gilt: Geringe Gebührenunterschiede können durch den Zinseszinseffekt langfristig eine große Rolle spielen. Wer also langfristig denkt, sollte die Kosten im Auge behalten. Schließlich möchte man ja nicht, dass die staatliche Förderung durch hohe Kosten aufgezehrt wird.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, was am besten zur persönlichen Situation passt. Das AV-Depot bietet staatliche Zulagen und steuerliche Vorteile, während das klassische ETF-Depot mehr Flexibilität und oft geringere Kosten mit sich bringt. Eine individuelle Analyse der eigenen finanziellen Möglichkeiten und Ziele ist unerlässlich, um die richtige Entscheidung zu treffen. Wer sich jetzt noch nicht mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigt hat, sollte nicht warten – denn je länger man wartet, desto mehr muss später aufgeholt werden. Also, ran an die Planung!
