Frauen und Altersvorsorge: Lektionen aus persönlichen Erfahrungen für eine sichere finanzielle Zukunft
Wenn man mit dem Thema Altersvorsorge konfrontiert wird, kann das schnell zu einem schleichenden Übel werden. Oft wird das Thema verdrängt, besonders wenn man jung ist und sich mehr um die Ausbildung, den Job oder die Familie kümmert. Doch einige Frauen haben aus eigener Erfahrung gelernt, wie wichtig eine frühzeitige Auseinandersetzung mit der eigenen finanziellen Zukunft ist. Sie geben uns wertvolle Einblicke, was sie anders machen würden, wenn sie noch einmal die Wahl hätten.
So erzählt Cindy, 45 Jahre alt und seit über 25 Jahren in der Finanzberatung tätig, wie prägend die Erfahrungen ihrer Großmutter für sie waren. Diese arbeitete hart, kümmerte sich um die Familie und hatte im Alter trotzdem nicht genug Geld. Cindys zentrale Botschaft ist klar: Frauen sollten sich nicht blind auf ihren Partner verlassen, wenn es um die eigene finanzielle Absicherung geht. Sie empfiehlt, sich frühzeitig Gedanken über die eigene Rentensituation zu machen und auch die eigenen Finanzen aktiv in die Hand zu nehmen. Fragen wie „Wie hoch wird meine finanzielle Absicherung im Alter sein?“ oder „Wie wirkt sich Teilzeitarbeit auf meine Rente aus?“ sollten nicht unbeantwortet bleiben.
Die Realität der Altersvorsorge für Frauen
Marianne, 62 Jahre alt, erzählt von ihrer eigenen Reise. Als Mutter von zwei Kindern und geschieden, hat sie es bitter bereut, sich nicht schon früher mit ihrer Altersvorsorge auseinanderzusetzen. In der Schule hat niemand mit ihr über das Thema gesprochen und erst bei ihrem dritten Arbeitgeber wurde ihr klar, dass sie nicht ausreichend vorgesorgt hat. Besonders die mangelnde finanzielle Unterstützung in der Familie hat sie bereut. „Eine BWL-Professorin hat mir geraten, möglichst in Vollzeit zu arbeiten, aber das war in der Realität oft nicht möglich“, sagt sie. Sie möchte jungen Menschen ans Herz legen, sich frühzeitig zu informieren und auch kleine Beträge zur Seite zu legen. Denn jede noch so kleine Summe kann sich im Laufe der Jahre summieren.
Hanka, 53 Jahre alt und Mutter von vier Kindern, hat erst kurz vor ihrer Scheidung begonnen, sich um ihre Altersvorsorge zu kümmern. Ein Buch über Aktien von Beate Sander hat sie dazu inspiriert, regelmäßig in ETFs zu investieren. Rückblickend stellt sie fest, dass die verlorene Zeit nicht mehr aufzuholen ist. Daher ist es ihr wichtig, dass auch ihre Kinder frühzeitig mit dem Investieren beginnen. Sie selbst wuchs in der ehemaligen DDR auf, wo die Geldanlage kein großes Thema war. Mit ihrem heutigen Wissen würde sie jedoch jedem raten, so früh wie möglich mit dem Investieren zu starten.
Die Herausforderungen für Frauen
In Deutschland stehen Frauen bei der Altersvorsorge vor besonderen Herausforderungen. Statistiken zeigen, dass sie durchschnittlich weniger gesetzliche Rente erhalten als Männer – im Jahr 2023 betrug der Gender Pension Gap 43 %. Gründe dafür sind vielfältig, von Teilzeitarbeit über Erwerbspausen bis hin zu geringeren Einkommen während des Berufslebens. Viele Frauen zahlen über Jahre hinweg weniger in die gesetzliche Rentenversicherung ein und erwerben dadurch weniger Entgeltpunkte. Das lässt sich nicht ignorieren, wenn man an die eigene Absicherung im Alter denkt.
Es wird empfohlen, etwa 10 bis 15 % des monatlichen Nettoeinkommens für die Altersvorsorge beiseite zu legen. Je früher man damit beginnt, desto besser kann man auch mit kleinen Beträgen einen langfristigen Vermögensaufbau erreichen. Die Zinseszinsen wirken dann wie ein fröhlicher Helfer, der die Ersparnisse wachsen lässt. Aber, und das ist wichtig: Wertpapieranlagen sind nicht risikofrei und sollten vor allem für lange Anlagezeiträume in Betracht gezogen werden.
Frauen ab 30 sollten sich flexible Vorsorgelösungen wie ETF- und Fondssparpläne überlegen. Mit 40 empfiehlt sich eine Bestandsaufnahme der bisherigen Vorsorge. Wer Lücken erkennt, hat die Möglichkeit, diese durch höhere Sparraten oder betriebliche Altersvorsorge zu schließen. Auch ab 50 ist es nie zu spät, mit der privaten Altersvorsorge zu beginnen, sei es durch Rentenversicherungen oder risikoärmere Anlagen.
Schließlich ist es entscheidend, dass Frauen nicht nur in eine Altersvorsorge investieren, sondern auch ihre finanziellen Kenntnisse erweitern. Oft sind es die persönlichen Netzwerke und das Wissen um die eigenen Finanzen, die über das eigene Alterseinkommen entscheiden. Der Weg zur finanziellen Eigenständigkeit ist manchmal steinig, aber er lohnt sich. Denn nur wer seine Finanzen kennt, kann auch selbstbewusst in die Zukunft blicken.
