In Treuchtlingen gibt es eine Geschichte, die das Herz berührt und zum Nachdenken anregt. Der 65-jährige Siggi hat sein ganzes Leben hart gearbeitet. Über 51 Jahre hat er in die Rentenkasse eingezahlt, als Koch in Nürnberg und später als Greenkeeper auf einem Golfplatz. Jetzt, wo er endlich in Rente gehen konnte, erhält er monatlich rund 1.300 Euro. Ein Betrag, der jedoch kaum ausreicht, um seine laufenden Kosten zu decken. Siggi kämpft nicht nur mit finanziellen Sorgen. Vor kurzem wurde bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert – eine Diagnose, die alles auf den Kopf stellte.

Um seine Miete zu bezahlen und das tägliche Leben zu bestreiten, arbeitet Siggi weiterhin 40 Stunden pro Woche. Ein Teufelskreis, der viele Rentner in Deutschland betrifft. Laut aktuellen Zahlen sind Millionen von Rentnerinnen und Rentnern von Altersarmut betroffen. Das Rentenniveau wird 2025 nur bei etwa 48,3 Prozent des durchschnittlichen Nettoverdienstes liegen. Viele Menschen, darunter auch Siggi, müssen sich mit weniger als 1.100 Euro im Monat begnügen. Die Gründe dafür sind vielfältig: sinkendes Rentenniveau, unterbrochene Erwerbsbiografien und steigende Lebenshaltungskosten. Besonders Frauen, Langzeitarbeitslose und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sind gefährdet.

Ein Freund hilft in der Not

Als Siggi erfuhr, dass er an Krebs erkrankt ist, startete sein Freund Adrian Menzel einen Spendenaufruf. Die Situation ist ernst, und mit jeder neuen Chemotherapie-Runde wird es schwieriger für Siggi. Die ersten beiden Zyklen haben ihn stark belastet – er hat Gewicht verloren, kaum Appetit und fühlt sich geschwächt. Um die finanzielle Not noch zu verstärken, musste er sein Auto zurückgeben. Aktuell wartet Siggi auf die Bearbeitung seines Antrags auf Wohngeld, ein Hilfsmittel, das vielen Rentnern das Leben erleichtern könnte.

Nicht nur seine gesundheitlichen Herausforderungen machen ihm zu schaffen. Auch die finanzielle Lage, die ihn zwingt, handgeschnitzte Masken aus seinem Besitz zu verkaufen, schmerzt ihn. Siggi, der sich im Masken- und Brauchtumsverein „Heidecker Hexenstube“ engagiert, musste bereits zwei seiner drei wertvollen Masken verkaufen, um über die Runden zu kommen. Eine solche Maske kann zwischen 1.000 und 1.500 Euro wert sein. Der Verein plant nun eine Maskenausstellung im November 2026, um Siggi zu helfen. Das Event wird nicht nur eine Ausstellung sein, sondern auch eine Versteigerung einer gespendeten Maske und verschiedene Unterhaltungsangebote beinhalten.

Altersarmut als gesamtgesellschaftliches Problem

Die Geschichte von Siggi ist kein Einzelfall. 2024 waren in Deutschland knapp 740.000 Menschen auf Grundsicherung im Alter angewiesen – mehr als je zuvor. Die Armutsgefährdungsquote für Menschen ab 65 Jahren liegt bei 19,6 Prozent. Das bedeutet, dass viele Senioren, darunter auch Siggi, zu den besonders von Armut betroffenen Gruppen zählen. Ein weiteres besorgniserregendes Faktum ist, dass Frauen häufiger von Altersarmut betroffen sind als Männer. Der Gender Pension Gap liegt 2025 bei rund 24,2 Prozent – Frauen haben im Durchschnitt deutlich weniger Alterseinkünfte als Männer.

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In einer Zeit, in der die alternde Bevölkerung und die erwarteten Engpässe im Rentensystem die Altersarmut weiter verschärfen könnten, ist es umso wichtiger, dass Betroffene wie Siggi die notwendigen Hilfen erhalten. Das Wohngeld, das als Mietzuschuss für Menschen mit geringem Einkommen dient, kann für viele eine wichtige Unterstützung darstellen. Auch die Grundsicherung im Alter ist eine Möglichkeit, das Existenzminimum zu sichern, wenn Rente und andere Einkünfte nicht ausreichen.

Es gibt viele Organisationen und Beratungsstellen, die in solchen Situationen helfen können. Beratungen sollten frühzeitig in Anspruch genommen werden, idealerweise schon vor dem Renteneintritt. Wer sich rechtzeitig informiert und die richtigen Anträge stellt, kann vielleicht der Altersarmut entkommen. Aber wie bei Siggi zeigt sich, dass es oft nicht genug ist, nur die richtigen Schritte zu gehen. Die Realität ist, dass viele Menschen in der zweiten Lebenshälfte kämpfen müssen – nicht nur mit gesundheitlichen Herausforderungen, sondern auch mit finanziellen Nöten.

Wir sollten alle einen Blick auf unsere älteren Mitbürger werfen und uns fragen, wie wir helfen können. Denn Altersarmut geht uns alle an.