Die Sorgen um die Altersvorsorge und die damit verbundene finanzielle Sicherheit sind ein Thema, das nicht nur die älteren Generationen betrifft, sondern auch die jüngeren. Die Gewerkschaft IG Bau macht nun auf eine alarmierende Situation aufmerksam: Rund 5,1 Millionen Baby-Boomer, also die geburtenstarken Jahrgänge, die zwischen 2023 und 2036 in Rente gehen, stehen vor der düsteren Aussicht, weniger als 800 Euro monatlich aus der gesetzlichen Rente zu erhalten. Das sind etwa 40 Prozent dieser Altersgruppe. Da kann einem schon mulmig werden, wenn man bedenkt, wie schnell die Mieten in die Höhe schießen.

Besonders in Nordrhein-Westfalen, wo voraussichtlich über eine Million dieser Rentner in „Wohnarmut“ geraten könnten, wird die Lage kritisch. Wohnarmut bedeutet, dass nach Abzug der Wohnkosten kaum noch Geld für das tägliche Leben bleibt. Die IG Bau warnt eindringlich vor dieser „massiven Wohnarmut“, die die Altersgruppe treffen könnte. Aktuell leben bereits über 760.000 Rentner in Deutschland von Grundsicherung, was in etwa 4,3 Prozent aller Rentner entspricht – ein Anstieg im Vergleich zu 2010, als es nur 2,5 Prozent waren.

Der Aufruf zum Handeln

Robert Feiger, Chef der IG Bau, macht klar, dass bezahlbares Wohnen die „soziale Frage Nummer 1“ ist. Er fordert dringend mehr Neubau, um die Situation zu entschärfen. Und das nicht nur, um Rentner zu unterstützen, sondern auch, um die gesamte Wirtschaft anzukurbeln. Michael Voigtländer, ein Immobilienexperte vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), stimmt zu und betont, dass es weitere Schritte benötigt, um die Bautätigkeit zu steigern und die Baukosten zu senken. Der Bau-Turbo der Bundesregierung, welcher schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse anstrebt, wird als nicht ausreichend erachtet.

Ein weiteres Problem ist der Widerstand von Bürgern gegen die Ausweisung von Bauland und die bestehenden Umweltauflagen. Um die dringend benötigten neuen Wohnungen zu schaffen, muss auch die Bauwirtschaft schneller Klarheit über den geplanten Gebäudetyp E erhalten. Hierbei soll auf nicht zwingende Baustandards verzichtet werden, damit mehr Raum für innovative Bauprojekte entsteht.

Ein Blick auf die Armutsgefährdung

Doch was bedeutet das alles im Kontext der Armutsgefährdung in Deutschland? Laut dem Statistischen Bundesamt war 2024 etwa 15,5 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht, wobei die Armutsgefährdungsquote für Personen ab 65 Jahren bei 19,4 Prozent lag. Bei den über 75-Jährigen waren es sogar 19,1 Prozent. Frauen sind in allen Altersgruppen stärker betroffen als Männer. Besonders besorgniserregend ist die Quote für Seniorinnen ab 75 Jahren, die bei 21,8 Prozent liegt.

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Die Ursachen für diese Unterschiede sind vielfältig. Frauen sind oft seltener erwerbstätig und müssen sich mit geringeren Rentenansprüchen zufriedengeben. Im Gegensatz dazu sind ältere Menschen insgesamt seltener von erheblicher materieller und sozialer Entbehrung betroffen als Jüngere, aber mit zunehmendem Alter steigt auch hier die Gefährdung. Im Jahr 2024 waren 6,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland von erheblicher materieller und sozialer Entbehrung betroffen, bei den über 65-Jährigen lag der Anteil bei 4,3 Prozent.

Die Herausforderung, die sich hier abzeichnet, ist enorm. Die Notwendigkeit, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und die Situation der Rentner zu verbessern, wird immer drängender. Es bleibt abzuwarten, welche Maßnahmen tatsächlich ergriffen werden und ob die Stimmen der Gewerkschaften und Experten gehört werden. Der Druck auf die Politik wächst – und das nicht nur in Nordrhein-Westfalen.