In Deutschland ist die Rentensituation für Frauen alles andere als rosig. Durchschnittlich erhalten Frauen rund 27% weniger gesetzliche Rente als Männer. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und tief im Arbeitsleben verwurzelt. Geringere Einkommen, häufigere Teilzeitarbeit und längere Erwerbsunterbrechungen, oft bedingt durch Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen, tragen maßgeblich zu dieser Ungleichheit bei. Diese Faktoren führen zu geringen Beiträgen in die Rentenversicherung und damit zu niedrigeren Rentenansprüchen. Besonders auffällig ist, dass Frauen nach der Geburt eines Kindes oft ihre Arbeitszeit reduzieren, was langfristig ihre Alterseinkünfte schmälert.
Ein weiterer Punkt ist die geringere Beteiligung an betrieblicher und privater Altersvorsorge, die die Rentenlücke weiter vergrößert. In Deutschland basiert die Altersvorsorge auf einem Drei-Säulen-Modell: der gesetzlichen Rentenversicherung, der betrieblichen Altersvorsorge und der privaten Vorsorge. Experten raten, monatlich 10-15% des Nettoeinkommens für die Altersvorsorge zurückzulegen. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Eine 30-jährige Frau mit einem Nettoeinkommen von 2.000 Euro sollte etwa 460 Euro monatlich sparen, um bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren ein solides finanzielles Polster aufzubauen. Beginnt sie erst mit 45 Jahren, müsste sie rund 950 Euro monatlich sparen, um das gleiche Ziel zu erreichen.
Der Gender Pension Gap
Der Gender Pension Gap, der in Deutschland 2023 bei 43% liegt, macht die Dimension des Problems deutlich. Dieser Wert bedeutet, dass Frauen im Durchschnitt ein um 43% niedrigeres Alterssicherungseinkommen als Männer beziehen. Der Gender Pension Gap umfasst alle drei Säulen der Alterssicherung: die gesetzliche Rentenversicherung, die betriebliche Altersversorgung und die private Altersvorsorge. Zwischen 1992 und 2023 hat sich dieser Gap um 26% verringert, von 69% auf 43%. Dennoch bleibt eine signifikante Ungleichheit bestehen.
Ein Blick auf die Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland offenbart weitere Facetten: Für die Jahrgänge 1957 bis 1961 beträgt der Gender Gap in der gesetzlichen Rentenversicherung in Westdeutschland 31% und in Ostdeutschland nur 5%. In der betrieblichen Altersversorgung liegt der Gap bei 43% in Westdeutschland und 4% in Ostdeutschland, wo die Situation zugunsten der Frauen ausgeglichen ist. Die betriebliche Altersversorgung ist dort jedoch kaum verbreitet, was zu geringeren Geschlechterunterschieden führt.
Ursachen und Lösungen
Die Ursachen des Gender Pension Gaps sind oft die gleichen wie die für die geringere Rente: häufigere und längere Erwerbsunterbrechungen, geringere Bruttostundenverdienste und die Übernahme von Betreuungs- und Familienaufgaben. Frauen haben häufig eingeschränktere finanzielle Möglichkeiten zur privaten Altersvorsorge, was die Situation zusätzlich verschärft. Es wird jedoch auch ein Lichtblick sichtbar: Mit jeder neuen Rentenjahrgang verringert sich die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern, da immer mehr Frauen durchgängig erwerbstätig sind.
Für die Zukunft könnten Faktoren wie höhere Bildungsabschlüsse von Frauen, der gesetzliche Mindestlohn und verbesserte Anrechnungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung dazu beitragen, den Gender Pension Gap weiter zu verringern. Doch gleichzeitig bleibt die Herausforderung bestehen, dass der Gender Pay Gap, kürzere Arbeitszeiten und der eingeschränkte Zugang zur betrieblichen Altersversorgung das Problem weiterhin aufrechterhalten könnten.
Für Frauen in Stuttgart und darüber hinaus ist es wichtig, die eigenen Finanzen im Blick zu behalten und frühzeitig für die Altersvorsorge vorzusorgen. Denn nur so kann das Ziel einer gerechten und sicheren Rente erreicht werden.