Altersvorsorge neu gedacht: Immobilien oder ETFs als Schlüssel zur finanziellen Sicherheit?
Heute ist der 23.10.2026 und das Thema Altersvorsorge steht wieder einmal ganz oben auf der Agenda. Besonders eine Frage drängt sich auf: Ist die Investition in Immobilien nach den jüngsten Entwicklungen, sprich den gestiegenen Baukosten und Zinsen, noch eine kluge Entscheidung? Jessica Tröger, die seit dem 1. Januar 2024 im Vorstand der PSD Bank Nürnberg sitzt, hat sich dem Thema angenommen. Mit ihrer langjährigen Erfahrung in der Bankenwelt, angefangen bei der Ausbildung zur Bankkauffrau über ihr BWL-Studium bis hin zu Stationen bei Commerzbank und Umweltbank, wird sie hier zur Expertin. Es geht um mehr als nur um Ziegel und Mortar; es geht um die finanzielle Sicherheit für die Zukunft.
Tröger, die 2006 zur PSD Bank kam und dort unter anderem das Baufinanzierungsgeschäft leitete, beleuchtet die aktuelle Lage und stellt fest, dass der Traum vom Eigenheim für viele Menschen aufgrund der hohen Finanzierungskosten unerreichbar geworden ist. Es gibt nicht nur die Option, ein Eigenheim zu besitzen, um für das Alter vorzusorgen. Tröger zeigt auf, dass es auch alternative Wege zur Altersvorsorge gibt, die ohne Immobilienbesitz funktionieren. Und das ist wichtig, denn die Realität ist oft, dass man nicht für jeden Plan die finanziellen Mittel hat.
Die Realität der Altersvorsorge
Ein Blick auf die Zahlen ist immer aufschlussreich. Das gesetzliche Rentenniveau in Deutschland liegt momentan bei rund 48 % des letzten Nettolohns. Bei einem Nettolohn von 3.000 Euro ergäbe das im Alter also rund 1.440 Euro, während die Differenz von etwa 1.560 Euro zusätzlich finanziert werden muss. Das zeigt, wie wichtig es ist, frühzeitig über verschiedene Vorsorgeoptionen nachzudenken. Neben Immobilien werden auch private und betriebliche Altersvorsorge als Alternativen genannt. Besonders für jene, die nicht die 45 Beitragsjahre erreichen, kann die Versorgungslücke größer ausfallen.
Schaut man sich die verschiedenen Möglichkeiten an, wird schnell klar, dass es nicht nur die Immobilie ist, die eine gute Altersvorsorge darstellt. Ein ETF-Sparplan beispielsweise bietet ein historisches Renditepotenzial von etwa 6–8 % jährlich. Hier kann man schon ab 25 Euro monatlich einsteigen, und die Flexibilität ist enorm. Man kann die Einzahlungen jederzeit anpassen – das ist für viele Anleger ein großer Vorteil. Besonders transparent und kostengünstig sind breit gestreute ETFs wie der MSCI World, die in den letzten 30 Jahren durchschnittlich etwa 7 % jährlich erzielen konnten.
Risiken und Chancen
Doch jede Anlageform hat ihre Tücken. Wertpapiere unterliegen marktbedingten Schwankungen und können bei einer negativen Wirtschafts- oder Börsenentwicklung schnell in den Keller gehen. Das eingesetzte Kapital birgt ein Verlustrisiko, und Fonds sind nicht unbedingt das richtige für Anleger, die eine risikolose Anlage suchen. Man sollte sein Geld also mindestens fünf Jahre in einem Fonds belassen, um eventuelle Wertschwankungen auszugleichen. Das gilt für alle, die sich in den Kapitalmarkt wagen.
Immobilien hingegen sind oft der Klassiker in der Altersvorsorge. Eine selbstgenutzte Immobilie kann im Alter mietfreies Wohnen ermöglichen und bietet einen gewissen Inflationsschutz. Allerdings bindet sie auch Kapital langfristig und ist wenig flexibel. In der Regel benötigt man 20–30 % Eigenkapital, um sich den Traum vom eigenen Heim zu erfüllen. Und die Rendite? Die wird langfristig mit etwa 3–5 % jährlich angegeben. Das klingt auf den ersten Blick nicht schlecht, doch die Bindung des Kapitals ist nicht zu unterschätzen.
Was nun?
Am Ende des Tages bleibt es eine persönliche Entscheidung, wie man für die Zukunft vorsorgen möchte. Ob man nun auf Immobilien setzt, einen ETF-Sparplan wählt oder die betriebliche Altersvorsorge nutzt – jede Option hat ihre Vor- und Nachteile. Die Faustregel lautet: Zuerst die bAV nutzen, wenn der Arbeitgeber Zuschüsse bietet, dann die Riester-Rente prüfen und schließlich in einen diversifizierten ETF-Sparplan investieren. Aber was auch immer man wählt, wichtig ist, frühzeitig zu handeln und nicht erst zu warten, bis die ersten grauen Haare auf dem Kopf sprießen – das ist die bittere Realität. Die Zeit ist ein entscheidender Faktor, und je früher man anfängt, desto besser wird man letztlich für die Zukunft aufgestellt sein.
