Elternzeit und Altersvorsorge: So gefährden reduzierte Sparraten die finanzielle Zukunft von Müttern
Elternzeit – das bedeutet für viele eine Zeit voller Freude, aber auch voller Herausforderungen. Man denkt an Windeln, schlaflose Nächte und das erste Lächeln des kleinen Wunders. Was jedoch oft im Hintergrund bleibt, sind die finanziellen Aspekte, die mit dieser Lebensphase einhergehen. Vor allem Frauen, die in der Regel die Hauptlast der Kinderbetreuung tragen, stehen vor besonderen Herausforderungen, die sich auf ihre Altersvorsorge auswirken können.
Eine Reduzierung oder Pause beim ETF-Sparplan in der Elternzeit kann, wie viele Experten warnen, gravierende Folgen für das zukünftige Vermögen haben. Der Zinseszinseffekt ist hier das Stichwort. Besonders betroffen sind Mütter, die im Durchschnitt etwa 30,5 Jahre alt waren, als sie ihr erstes Kind bekamen. In diesem Alter fangen viele an, ernsthaft an ihre finanzielle Zukunft zu denken. Aber was passiert, wenn die Sparrate sinkt oder ganz aussetzt? Die Zahlen sind alarmierend: Bei einer einjährigen Pause könnte das Depot bis zur Rente um etwa 17.700 Euro schrumpfen. Bei drei Jahren Pause könnten es sogar mehr als 108.000 Euro sein!
Elternzeit und Sparen – eine heikle Balance
Die Elternzeit bietet zwar bis zu 36 Monate Freistellung vom Job, aber wie sieht es mit dem Geld aus? Es ist wichtig zu wissen, dass ETF-Sparpläne während dieser Zeit ohne Einschränkungen weiterlaufen dürfen. Das bedeutet, dass die Erträge aus ETFs zum Privatvermögen zählen und gleichzeitig das Elterngeld nicht beeinflussen. Es gibt jedoch viele Einzelfälle, in denen Mütter während der Elternzeit auf Teilzeit umsteigen. Dadurch sinkt das Einkommen und damit auch der finanzielle Spielraum für die Sparraten. Dabei kann das Elterngeld, das im Durchschnitt 65 Prozent des wegfallenden Nettoeinkommens ersetzt, schnell zum finanziellen Engpass werden.
Ein Beispiel verdeutlicht die Problematik: Eine Frau, die mit 25 Jahren monatlich 300 Euro in einen ETF investiert und mit 30 Jahren ihr erstes Kind bekommt, könnte bei durchgehendem Sparen auf gut 991.000 Euro bis zum Rentenbeginn kommen. Doch wenn sie während der Elternzeit die Sparrate um 35 Prozent auf 195 Euro senkt, fehlen ihr bis zur Rente etwa 17.700 Euro. Es wird deutlich, wie wichtig es ist, einen finanziellen Puffer aufzubauen, bevor das Baby kommt. Ein Vorschlag: Ein Notgroschen von drei bis sechs Monatsgehältern auf einem Tagesgeldkonto kann in stressigen Zeiten durchaus helfen.
Elterngeld und Rentenansprüche
Die gesetzlichen Rentenansprüche sollten ebenfalls nicht aus den Augen verloren werden. Für jedes ab 1992 geborene Kind werden bis zu drei Jahre Kindererziehungszeit angerechnet – das entspricht fast einem Rentenpunkt pro Jahr. Diese Punkte sind bares Geld, wenn es um die spätere Rente geht. Es ist wichtig, die Kindererziehungszeiten bei der Deutschen Rentenversicherung zu beantragen. Und es gilt: Pro Kind kann in der Regel nur ein Elternteil die Zeiten erhalten, meist ist das die Mutter. Eine Übertragung auf den Vater erfordert eine gemeinsame Erklärung.
Für Alleinerziehende gibt es spezielle Regelungen: Sie können unter anderem die vollen 14 Monate Elterngeld und den Partnerschaftsbonus in Anspruch nehmen. Außerdem gibt es steuerliche Erleichterungen, wie den Entlastungsbetrag in Steuerklasse II. Hierbei ist es wichtig, regelmäßig über Einnahmen und Ausgaben zu sprechen und einen klaren Überblick über die finanzielle Situation zu behalten.
Praktische Tipps für die Elternzeit
Die gute Nachricht: ETF-Sparen und Elternzeit sind grundsätzlich vereinbar. Es ist ratsam, die Sparrate nicht komplett zu pausieren, sondern sie zu reduzieren – etwa auf 50 oder 100 Euro monatlich. Dies kann den Sparrhythmus aufrechterhalten und langfristig bis zu 20.000 Euro mehr Endkapital bedeuten. Klar, das klingt nach einem kleinen Betrag, aber über die Jahre summiert sich das ganz schön. Zudem können neue ETF-Sparpläne auch während der Elternzeit eröffnet werden, einige Neobroker bieten Sparpläne bereits ab einem Euro an.
Der finanzielle Ausgleich zwischen beiden Elternteilen ist ebenfalls entscheidend. Der weiterarbeitende Partner kann einen Teil der ETF-Sparrate übernehmen. So könnte das Depot am Ende der Elternzeit besser dastehen, als wenn der betreuende Elternteil komplett pausiert. Wenn es um die Altersvorsorge geht, lohnt es sich, auch über Eheverträge nachzudenken, die unter anderem einen längeren Betreuungsunterhalt im Trennungsfall regeln können.
Insgesamt ist es wichtig, in der Elternzeit nicht nur an die kurzfristigen Ausgaben zu denken, sondern auch an die langfristige finanzielle Absicherung. Mit einer durchdachten Strategie, einem soliden Plan und der richtigen Einstellung kann die Elternzeit nicht nur eine Zeit des Wandels sein, sondern auch eine Gelegenheit, die finanzielle Zukunft zu sichern.
